Die Gründung des Zisterzienserinnenklosters St. Jöris


 

Das Dorf St. Jöris ist ein Ortsteil der Stadt Eschweiler nahe der alten Kaiserstadt Aachen im Dreiländereck von Belgien, den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland.

Beinahe 700 Jahren lang bildete das Kloster mit dem Wohnhaus, der Kirche, den Wirtschaftsgebäuden und dem umschließenden Wassergraben den Mittelpunkt des Dorfes St. Jöris, dessen Name vom hl. Georg, dem Schutzpatron des Klosters und der Ritter von Kinzweiler abgeleitet ist.

Korrekterweise müssten wir von der ehemaligen Abtei St. Jöris sprechen, da bei den Zisterziensern jedes Kloster selbstständig war und von einem Abt oder einer Äbtissin geleitet wurde. Hier in St. Jöris hat sich jedoch der Begriff "Kloster" und "Klosterkirche" eingebürgert.

In früheren Zeiten hieß das Kloster "St. Jörisbusch" oder "St. Jöris im Busch", was darauf hindeutet, dass diese Gegend Teil eines ausgedehnten Waldes war, der bis nach Kinzweiler reichte.

Da dieser Wald seit dem 9. Jahrhundert bis zum Beginn der Franzosenzeit 1794 vom Kölner Dompropst verwaltet wurde, nannte man ihn Propsteier Wald. Heute sind von ihm jedoch nur noch wenige Reste südlich der Autobahn Köln-Aachen vorhanden.

 

Das Kloster "St. Jörisbusch" wurde ab dem Jahre 1274 aufgrund der Stiftung des Ritters Winfried von Kinzweiler und seiner Gemahlin Jutta errichtet. Mit dieser Stiftung war die Schenkung eines ansehnlichen Landbesitzes verbunden, der die wirtschaftliche Grundlage für die neue Klostergemeinschaft darstellte.

Der Ort für die Gründung des Klosters war gut gewählt. So wurden die Gebäude unter dem Schutz der Kinzweiler Burg errichtet. Die Lage am Merzbach ermöglichte es, einen das Klostergelände umschließenden Wassergraben anzulegen. Zudem führte in einigem Abstand nördlich vom Kloster eine alte Heerstraße von Köln nach Aachen vorbei, die die Bezeichnung "Aachener Weg" hatte. An der Kreuzung dieses ehemaligen Heerweges mit der Begauer Straße steht noch ein altes, steinernes Pilgerkreuz.

Das Wasser des Merzbaches wurde auch für die Fischhaltung genutzt. Noch heute sind die ehemaligen Fischteiche an den muldenförmigen Vertiefungen der Wiesen entlang der Merzbachstraße zu erkennen.

Das Konventsgebäude, also das Wohnhaus, wurde 1276 fertig gestellt. Die Einweihung der Klosterkirche erfolgte im Jahre 1300. Die Abtei wurde unter den Schutz des hl. Georg gestellt, der auch der Schutzheilige der Ritter von Kinzweiler war.

Erste Äbtissin des Klosters wurde Katharina von Kinzweiler, die Tochter des Stifterpaares. Die Nonnen des Konvents, in den nur adelige Jungfrauen aufgenommen wurden, schlossen sich dem Orden der Zisterzienser an und lebten fortan nach der Satzung dieses Ordens.

 


 

 

Das Modell der Klosteranlage um 1940.

 Foto: Matthias Esser, 1993


 

 Wer waren die Zisterzienser?

 

In Burgund im heutigen Frankreich lag die angesehene Benediktinerabtei Cluny, die im Jahre 910 gegründet worden war. Diese Abtei hatte im 11. Jahrhundert durch Spenden, Stiftungen und Erbschaften ein großes Vermögen und weite Ländereien erworben. Die Klostergemeinschaft entfernte sich in der Folgezeit aber immer mehr von der ursprünglichen Einfachheit ihrer Lebensweise und der einst gelobten Armut und Demut. Ein besonders deutliches Zeichen des Wohlstandes war der 1088 begonnene Bau der damals größten Kirche der Christenheit, die sogar die Basilika Alt-Sankt-Peter in Rom an Größe übertraf. Das Innere war mit Fresken aufwendig gestaltet. Diese Prachtentfaltung war die nach außen sichtbare Verweltlichung des Klosters.

Einige Mönche wollten jedoch wieder nach der strengen Regel des Benedikt von Nursia leben. Der Leitgedanke dieser Regel lautet: "ora et labora - bete und arbeite". Aus diesem Grund verließen 21 reformbereite Mönche im Jahre 1098 die Abtei Cluny und gründeten das Kloster Cîteaux. Vom lateinischen "Cistercium", bzw. von der deutschen Übersetzung "Zisterze" erhielten die Mönche die Bezeichnung "Zisterzienser".

Die Mönche wollten dort ausschließlich von ihrer eigenen Hände Arbeit leben. Einnahmen aus Verpachtung und Zinsen sowie die Erhebung des Zehnten lehnten sie ab. Abgeschiedenheit von der Welt und Einfachheit der Lebensweise waren die Grundideale der Reformgruppe.

Als Ordenstracht (Habit) wählten sie ein langes weißes Gewand in Form einer Tunika mit schwarzem Gürtel (Cingulum). Darüber trugen sie einen schwarzen Überwurf (Skapulier) mit Kapuze. Zu den Gottesdiensten wurde über dem Habit ein faltenreiches, bodenlanges weißes Übergewand (Kukulle oder Flocke) mit sehr weiten Ärmeln und einer Kapuze getragen. Wegen des weißen Gewandes nannte man die Zisterzienser die "weißen Mönche". Da sie bei den Rodungsarbeiten ein schlichtes graues Gewand trugen, wurden sie auch "graue Mönche" genannt.

Die Nonnen waren ähnlich gekleidet wie die Mönche. Das Skapulier hatte jedoch keine Kapuze. Als Kopfbedeckung trugen sie eine Gebende (ein Band aus Leinen, das um Ohren und Kinn geschlungen wurde, ergänzt um ein Stirnband.) Darüber trugen sie einen Schleier (Velan).

 


 

 

 

Ordenskleider der Zisterzienserinnen.

Quelle: http://marienstern.de/ordensleben/ordenskleider


 

Die Abtei Cîteaux liegt ca. 25 km südlich von Dijon. Während der Französischen Revolution wurde die Abtei aufgelöst und in den folgenden Jahren ausgeplündert und weitgehend zerstört. 1898 wurde die Abtei von Trappisten wiederbesiedelt. Die Trappisten sind ein Reformzweig innerhalb des Zisterzienserordens (Zisterzienserorden der strengeren Observanz). Heute leben dort rund 35 Mönche.


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